Das Baldramsdorfer Fastentuch
Der Brauch mit dem Fastentuch
Am Ausgang des Mittelalters entstand der Brauch, daß man in manchen Kirchen Kärntens am Aschermittwoch ein großes Bildertuch im Chorraum vor dem Hauptaltare hochzog und dieses Tuch bis zum Mittwoch in der Karwoche dort hängen ließ. Diesen Vorhang nannte man Fastentuch oder Hungertuch.
Das Tuch sollte also den Tempelvorhang bedeuten, der bei Jesu Tode zerriß.
„ … et velum templi scissum est, et omnis terra tremuit :
latro de cruce clamabat, dicens :
memento mei, Domine, dum veneris in regnum tuum.“
Der Vorhang des Tempels zerriss und die ganze Erde erbebte.
Der Verbrecher am Kreuz schrie, er sagte:
Gedenke meiner, Herr, wenn du in dein Reich kommst!
Der Brauch mit dem Fastentuch stammt aus Westfalen, wo er zuerst in den Klöstern gepflegt wurde und schließlich auch auf andere Kirchen überging.
Die Anfertigung solcher Kunstwerke besorgten dort vorwiegend die adeligen Frauen, die es als besondere Ehre empfanden, für die ihnen nahestehenden Kirchen große Fastentücher in Filetstopftechnik anzufertigen. Durch einen glücklichen Zufall kam die Sitte der Hungertücher auch nach Kärnten. Von 1436 bis 1453 stand nämlich dem Gurker Bistum Bischof Johannes Schallermann vor, der aus Westfalen stammte.
Dieser Kirchenfürst, der die Fastentücher seiner Heimat kannte, bestellte nun beim Maler Konrad in Friesach ein derartiges Tuch. So erhielt der Gurker Dom nach mehrjähriger Arbeit im Jahre 1458 das erste Fastentuch in Kärnten, ein großartiges Kunstwerk mit 99 bemalten Leinenfeldern.
Das berühmte Gurker Fastentuch regte nun auch andere geistliche Herren an, für ihre Kirchen solche Kunstwerke zu beschaffen.
Das Baldramsdorfer Fastentuch
Etwas Besonderes, wenn nicht gar das bedeutendste Stück der Baldramsdorfer Pfarrkirche St. Martin, ist das auf der Rückseite auf 1555 datierte Fastentuch. Das großformatige, aus acht senkrechten Bahnen zusammengefügte Stoffbild, das heute fest im südlichen Schiff installiert ist, diente einst der Verhüllung des Altarraumes in der Fastenzeit. Da es auch heute nur in der Fastenzeit gezeigt wird, muss das Jahr über ein Foto an der Südwand als Ersatz dienen, das freilich den großartigen Eindruck der Malereien nur unzureichend wiedergeben kann.
Künstlerische Details
Das Baldramsdorfer Fastentuch aus dem Jahr 1555 ist ein großformatiges Stoffbild (4,85 x 7,30 m), das aus acht senkrechten Bahnen zusammengefügt wurde.
Der unbekannte Künstler, in seiner Ausdrucksweise schwankend zwischen Gotik und Renaissance, übertrug die farbenfrohen Darstellungen mit schwarzen Umrisslinien in das auf Fernsicht angelegte Großformat. Seine Motive übernahm er vielfach aus Holzschnitten, wobei ihm besonders Tobias Stimmer, Lukas Cranach und Albrecht Dürer als unerschöpfliche Quelle dienten. Die Ähnlichkeit mancher Szenen mit dem Fastentuch aus dem nahem Maria Bichl (Diözesanmuseum Klagenfurt) deutet auf ein gemeinsames Vorbild, wogegen das quer rechteckige Format, das sich wohl aus dem Aufhängungsort ableiten lässt, sonst nicht üblich ist. Das Baldramsdorfer Fastentuch ist somit nachweislich eines der besterhaltenen und schönsten Beispiele dieser rar gewordenen Gattung in Kärnten.
Künstlerisch zeichnet es sich durch folgende Details aus:
Stil und Technik
Der unbekannte Künstler bewegt sich in seiner Ausdrucksweise zwischen Gotik und Renaissance. Die Szenen wurden mit Leimfarben auf das Leinen gemalt. Um eine gute Fernwirkung im Kirchenraum zu erzielen, verwendete der Maler deutliche schwarze Umrisslinien.
Künstlerische Vorbilder
Die Gestaltung der Motive orientiert sich vielfach an grafischen Vorlagen berühmter Meister, insbesondere an Holzschnitten von Albrecht Dürer, Lukas Cranach und Tobias Stimmer.
Farbe und Symbolik
Die Darstellungen sind farbenfroh gestaltet. Häufig wiederkehrende Elemente sind Gottvater oder Jesus im roten Mantel sowie prachtvolle, goldgemusterte Gewänder bei Figuren wie dem Erzengel Gabriel oder den Heiligen Drei Königen. In der Szene des Weltgerichts wird klassische Symbolik verwendet: Eine Lilie als Zeichen der Gnade und ein Schwert als Symbol der Gerechtigkeit.
Raumgestaltung
Viele Szenen sind in detaillierte Landschaften mit Bergen und Gewässern eingebettet oder nutzen architektonische Rahmen wie Rundbögen, Säulen und gewölbte Decken, um Tiefe zu erzeugen.
Konservierung des Baldramsdorfer Fastentuches
Das Fastentuch befand sich in einem verhältnismäßig guten Erhaltungszustand, auch wenn alterungsbedingte Materialschwächen zu Rissen im Bildträger und zu gefährdeten Malschichtbereichen geführt haben. Die Notwendigkeit der vorgesehen Interventionen beschränkten sich daher vorrangig auf konservatorische und präventive Maßnahmen, die eine möglichst objektschonende Handhabung und somit eine gesicherte liturgische Verwendung zum Ziel hatten.
Die Abteilung für Konservierung und Restaurierung hatte das Fastentuch in die Ateliers des Bundesdenkmalamtes übernommen. Ziel der vorgesehenen Maßnahmen war primär die Substanzsicherung des Objekts: Dazu zählt vorrangig die Konsolidierung des Bildträgers und der gefährdeten Malschichtbereiche. Begleitend dazu wurden präventive Lösungen erarbeitet, die zu einer möglichst objektschonenden Verwendung des Tuches beitragen.
Im Herbst 2021 kahm das Fastentuch wieder nach Baldramsdorf zurück und wird seitdem wieder in der Fastenzeit vor Ostern in der Kirche präsentiert.
Die Beschreibung der 39 Bildfelder des Fastentuches
Das Tuch besteht aus 39 Bildfeldern, die in fünf horizontalen Reihen (Registern) angeordnet sind. Während die oberen vier Reihen jeweils acht Bilder enthalten, weist die unterste Reihe nur sieben Felder auf, da das Weltgericht in einem Doppelfeld dargestellt ist. Ungewöhnlich ist das querrechteckige Format des gesamten Tuches, das vermutlich an den spezifischen Aufhängungsort angepasst wurde.
Nachfolgend werden die 8 Szenen des Alten Testaments und 31 Szenen des Neuen Testamentes beschrieben und zusätzlich mit den entsprechenden Stellen in der Bibel verlinkt (www.bibleserver.com).
01 – Die Schöpfung

Im Zentrum steht Gottvater, dargestellt als hoheitsvolle Figur mit Krone und rotem Mantel, der schützend seine Hände an den Weltenkreis legt. Innerhalb dieses Kreises ist eine stilisierte Landschaft mit Bergen und Gewässern erkennbar, während die Randzone von Sonne, Mond und Sternen gesäumt wird.
02 – Erschaffung der Eva

Im Vordergrund liegt Adam im tiefen Schlaf auf der Erde, während Gottvater – erneut dargestellt mit Krone, Heiligenschein und weitem roten Mantel – die Eva aus Adams Seite hervorgehen lässt. Gottvater hält dabei Evas Hände in einer segnenden oder leitenden Geste. Die Szene ist in einer schlichten Landschaft mit einem markanten Baum im Hintergrund angesiedelt. Die Szene illustriert die Fortsetzung der Heilsgeschichte unmittelbar nach der Erschaffung der Welt.
03 – Der Sündenfall

In der Mitte des Feldes steht der Baum der Erkenntnis, um dessen Stamm sich die Schlange windet und Eva die verbotene Frucht reicht. Adam und Eva flankieren den Baum in einer weiten Hügellandschaft und sind bereits mit Blättern bekleidet, was den Moment des Sündenfalls unmittelbar illustriert. Diese Darstellung folgt chronologisch auf die Erschaffung von Mensch und Welt und leitet die Erzählung von Schuld und späterer Erlösung ein.
04 – Vertreibung aus dem Paradies

Ein Engel mit großen Flügeln, gekleidet in ein rosa Obergewand und einen gelben Rock, schwingt ein rotes Flammenschwert und drängt die nackten Figuren von Adam und Eva durch ein bogenförmiges Portal nach draußen. Im Hintergrund öffnet sich eine schlichte Landschaft mit grünen Hügeln unter einem bewölkten Himmel, in die das erste Menschenpaar nun verstoßen wird.
05 – Brudermord

Eine Darstellung des mühsamen Lebens der ersten Menschenfamilie nach der Vertreibung aus dem Paradies. Links im Vordergrund sitzt Eva, die mit Rocken und Spindel Wolle spinnt, während vor ihr ein Säugling in einer gelben Wiege liegt. Im rechten Hintergrund vollzieht sich die zentrale Gewalttat: Kain erschlägt seinen Bruder Abel mit einer hölzernen Keule. Diese Szene zeigt den Fortgang der biblischen Geschichte und das zerstörerische Eindringen der Sünde in die Welt unmittelbar nach dem Sündenfall.
06 – Arche Nohas

Dieses Bild zeigt die Arche Noah, die sechste Szene aus dem alttestamentlichen Zyklus des Baldramsdorfer Fastentuches. Inmitten der Fluten der Sintflut ist das hölzerne, hausartige Schiff dargestellt, das Noah, seiner Familie und den Tieren als Zufluchtsort dient. Die Gestaltung der Szenen auf dem Tuch orientiert sich dabei vielfach an grafischen Vorbildern berühmter Meister wie Albrecht Dürer oder Lukas Cranach.
07 – Opferung Isaaks

Im Zentrum steht Abraham, der mit einem erhobenen, gekrümmten Schwert zum Schlag gegen seinen Sohn ansetzt. Isaak kniet mit gefalteten Händen auf einem Altar aus geschichteten Holzstämmen, während in der rechten oberen Ecke ein Engel aus den Wolken erscheint, um das Opfer im letzten Moment zu verhindern. Hinter dem Altar ist der Widder im Gebüsch zu erkennen, der schließlich als Ersatzopfer dient, und im Vordergrund brennt ein Feuer in einem kleinen Topf. Die Szene ist durch die detaillierte Landschaft mit Bergen und Gewässern im Hintergrund eingerahmt.
08 – Der Tanz um das Goldene Kalb

Im Vordergrund steht eine groß dargestellte Figur, vermutlich Moses, in einem leuchtend orangefarbenen Gewand, der den Blick auf das Geschehen im Hintergrund lenkt. Dort ist das goldene Kalb auf einer hohen Säule platziert, um das eine Gruppe von Menschen tanzt oder im Gebet davor kniet. Die Szene wird von einer dramatischen Berglandschaft und einem bewegten Himmel mit strahlenförmigen Erscheinungen eingerahmt.
09 – Die Verkündigung an Maria

Auf der linken Seite nähert sich der Erzengel Gabriel in einem prachtvollen, goldgemusterten Gewand und überbringt die göttliche Botschaft mithilfe einer kunstvoll geschwungenen Banderole mit der Aufschrift „Ave Maria…“. Maria ist auf der rechten Seite an einem hölzernen Betpult mit einem aufgeschlagenen Buch dargestellt, während über ihr der Heilige Geist in Gestalt einer Taube in einer leuchtenden Aura erscheint. Die Szene ist durch architektonische Details wie eine Säule und einen schweren roten Vorhang sowie einen Ausblick in eine Landschaft im Hintergrund gerahmt.
10 – Die Geburt Christi

Im Zentrum der Darstellung kniet Maria in einem dunklen Kleid mit hellem Mantel anbetend vor dem Jesuskind, das in einer Krippe auf einem weißen Tuch liegt. Links flankiert Joseph die Szene, dargestellt als älterer Mann mit Stab und einer brennenden Kerze, während im Hintergrund Ochse und Esel sowie zwei weitere Figuren, die über eine Mauer in den Stall blicken, zu erkennen sind.
11 – Die Anbetung der Könige

Im Zentrum der Darstellung sitzt Maria mit dem nackten Jesuskind auf dem Schoß, während Josef im Hintergrund hinter einer Mauer das Geschehen beobachtet. Vor ihnen kniet einer der Weisen in einem prachtvoll gemusterten, goldfarbenen Gewand und überreicht seine Gabe, während ein zweiter König stehend seine Krone lüftet. Am linken Bildrand ist der dritte König als Mohr in einer antikisierenden Rüstung mit Turban dargestellt. Über der Szene, die vor einer schlichten Stallarchitektur angesiedelt ist, leuchtet der Stern von Bethlehem am Himmel.
12 – Darstellung im Tempel

Auf der linken Seite hält der greise Simeon, dargestellt als hoher Priester in einem prachtvoll gemusterten Goldgewand und mit einer Mitra, das nackte Jesuskind über einem weißen Altar. Rechts steht Maria in einem weißen Schleiergewand mit gefalteten Händen, während im Hintergrund Joseph betend und eine weitere weibliche Figur am Geschehen teilnehmen. Die Szene ist in einem architektonischen Rahmen mit Rundbögen und einem kreisrunden Fenster angesiedelt.
13 – Flucht nach Ägypten

Im Zentrum der Darstellung führt Joseph, bekleidet mit einem roten Gewand und einem blauen Schulterumhang, einen Esel an einem Strick, während er seinen Hut in der rechten Hand trägt. Auf dem Esel sitzt Maria, die das in ein helles Tuch gewickelte Jesuskind schützend im Arm hält. Die Szene ist in einer Landschaft mit verschiedenen Bäumen angesiedelt, wobei links eine markante Palme mit Früchten zu sehen ist.
14 – Kindermord

Auf der rechten Seite sitzt König Herodes auf einem Thron, bekleidet mit einem prachtvollen Gewand und einer Krone, während er den Befehl zur Tötung der Kinder gibt. Im Zentrum und auf der linken Seite führen Soldaten in Rüstungen diese Tat mit Schwertern aus; man sieht getötete Kinder auf dem Boden und eines, das von einem Soldaten in die Höhe gehalten wird, während im Hintergrund eine trauernde Mutter ihr Kind festklammert.
15 – Der zwölfjährige Jesus im Tempel

Im rechten Bilddrittel sitzt der junge, lockenköpfige Jesus unter einem Baldachin an einem hölzernen Pult und gestikuliert lehrend mit erhobener Hand. Ihm gegenüber sitzt eine Gruppe von Gelehrten, die zum Teil in Büchern lesen oder in eine angeregte Diskussion mit dem Knaben vertieft sind. Im Hintergrund betreten Maria und Joseph den Raum, wobei Maria in einer anbetenden oder staunenden Haltung mit gefalteten Händen dargestellt ist. Die Szene ist in einem architektonischen Innenraum mit Säulen und gewölbter Decke angesiedelt.
16 – Die Taufe Jesu

Im Zentrum steht der im Jordan stehende Jesus mit gefalteten Händen, während Johannes der Täufer auf der linken Seite kniet und die Taufe durch Übergießen mit Wasser vollzieht. Über Jesus erscheint der Heilige Geist als Taube in einer leuchtenden Glorie, und am rechten Bildrand steht ein Engel mit rötlichen Flügeln. Die Darstellung ist in eine weite Landschaft mit Bergen und einer Stadt im Hintergrund eingebettet.
17 – Die Versuchung Jesu

Im Vordergrund steht Jesus in einem braunen Gewand dem Teufel gegenüber, der hier als dunkle, vogelartige Gestalt mit Krallenfüßen und einem Schnabel dargestellt ist. Der Teufel hält Jesus zwei Steine entgegen – ein Hinweis auf die biblische Erzählung, in der er Jesus auffordert, Steine in Brot zu verwandeln. Im Hintergrund, auf der Spitze eines rötlichen Felsens, ist eine weitere Episode der Versuchung angedeutet, bei der beide Figuren auf einer Anhöhe stehen.
18 – Einzug Christi in Jerusalem

Im Mittelpunkt der Darstellung reitet Jesus auf einem Esel und erhebt die rechte Hand zum Segensgestus. Er wird von Jüngern begleitet, während ihm zur Begrüßung ein rotes Gewand auf den Weg gebreitet wird. Am linken oberen Bildrand ist eine Person in einem Baum zu erkennen, die das Geschehen verfolgt, während im Hintergrund das Stadttor von Jerusalem angedeutet ist.
19 – Das Letzte Abendmahl

Im Zentrum der Darstellung steht Jesus, umgeben von seinen Jüngern an einem mit einem weißen Tuch gedeckten Tisch, auf dem Brot, Messer und eine Fleischspeise zu sehen sind.
Besonders markant sind zwei Figuren: Der Jünger Johannes, der seinen Kopf schlafend an Jesu Seite neigt, sowie Judas im Vordergrund, der – erkennbar an seinem rötlichen Haar und dem Geldbeutel in seiner Hand – die Szene zu verlassen scheint. Die Handlung ist in einem Innenraum mit Säulen und Rundbogenfenstern angesiedelt, wobei im Vordergrund große Krüge auf dem Fliesenboden stehen.
20 – Die Fußwaschung

Im Zentrum kniet Jesus, der sich eine weiße Schürze umgebunden hat, und wäscht die Füße des Apostels Petrus, welcher in einer Geste des Staunens oder Zögerns beide Hände hebt. Die übrigen Jünger sind im Hintergrund versammelt und beobachten die Handlung in einem architektonisch angedeuteten Innenraum.
21 – Christus am Ölberg

Im Zentrum kniet Jesus im Gebet, den Blick nach rechts oben gerichtet, wo in einer himmlischen Erscheinung ein Engel mit einem Kelch – dem Symbol seines bevorstehenden Leidens – erscheint. Im Vordergrund sind die drei Jünger Petrus, Jakobus und Johannes im tiefen Schlaf dargestellt, wobei Petrus auf der rechten Seite an seinem Schwert erkennbar ist. Währenddessen nähert sich im linken Hintergrund bereits die Gruppe der Häscher, angeführt von Judas, um Jesus gefangen zu nehmen.
22 – Gefangennahme Christi

Im Zentrum steht Jesus, der gerade den verräterischen Kuss von Judas empfängt, während er von einer Gruppe bewaffneter Soldaten umringt wird. Eine besonders dynamische Nebenhandlung findet im linken Vordergrund statt: Der Apostel Petrus schwingt sein Schwert und schlägt dem Knecht Malchus das Ohr ab, welcher stürzend am Boden liegt. Die nächtliche Atmosphäre wird durch eine hell lodernde Fackel und einen Wald aus Hellebarden und Speeren im Hintergrund unterstrichen.
23 – Jesus vor dem Hohepriester

Im Zentrum der Darstellung steht Jesus mit gebundenen Händen in einem violetten Gewand, umgeben von bewaffneten Wächtern, die Speere und Hellebarden halten. Auf der rechten Seite sitzt der Hohepriester, bekleidet mit einem pfirsichfarbenen Gewand und einer Mitra, und scheint in einer erregten Geste seine Hände zum Gewand zu führen.
24 – Die Verspottung Christi

Im Zentrum der Darstellung sitzt Jesus mit verbundenen Augen, während er von mehreren Männern auf grausame Weise verhöhnt wird: Ein Knecht im grün-roten Gewand bläst ihm mit einem Horn direkt ins Ohr, ein anderer schneidet Grimassen, und im Hintergrund ist eine Figur mit einer markanten roten Zipfelmütze zu sehen. Die Szene ist in einem Innenraum mit einem Rundbogen angesiedelt, der den Blick auf eine Stadt mit Türmen im Hintergrund freigibt.
25 – Jesus vor Pilatus

Im linken Bildteil wird Jesus mit gebundenen Händen in einem violetten Gewand von einer Gruppe bewaffneter Soldaten mit Hellebarden und Spießen vorgeführt. Auf der rechten Seite, erhöht auf einer Stufe unter einem kleinen Säulenvorbau stehend, ist Pontius Pilatus dargestellt; er trägt eine markante, turbanartige Kopfbedeckung sowie ein auffällig gestreiftes Gewand und hält einen Stab in der Hand. Im Hintergrund der Szene ist eine städtische Architektur mit einer großen Kuppel zu erkennen.
26 – Die Geißelung Christi

Im Mittelpunkt der Darstellung ist Jesus an eine helle Säule gebunden, während er von zwei Schergen gepeinigt wird: Einer schwingt eine Rute, der andere holt mit einer mehrsträhnigen Geißel aus. Die Szene ist in einer Architektur mit Rundbögen und Säulen mit goldenen Kapitellen angesiedelt. Die Motive des Künstlers basieren dabei vielfach auf grafischen Vorbildern wie Holzschnitten von Albrecht Dürer oder Lukas Cranach.
27 – Die Dornenkrönung Christi

Im Zentrum der Darstellung sitzt Jesus auf einer gelblichen Stufe, bekleidet mit einem leuchtend roten Mantel, wobei auf seinem entblößten Oberkörper die Spuren der Geißelung sichtbar sind. Drei Männer umgeben ihn, von denen zwei lange Stäbe benutzen, um die Dornenkrone schmerzhaft auf sein Haupt zu drücken. Die Szene ist in einem Innenraum mit Rundbogenfenstern angesiedelt, der auf der rechten Seite den Blick auf eine städtische Architektur im Hintergrund freigibt.
28 – Ecce Homo

„Seht, welch ein Mensch“. Auf einer erhöhten Balustrade wird der leidende Jesus der Menge präsentiert, bekleidet mit dem roten Mantel der Verspottung und der Dornenkrone, während er ein Rohr als Zepter in den Händen hält. Neben ihm ist vermutlich Pontius Pilatus in einem kostbaren gelben Gewand und orientalischer Kopfbedeckung zu sehen, der auf den Gefangenen weist. Im Vordergrund reagiert eine dicht gedrängte Volksmenge mit Soldaten und einem Hohepriester durch lebhafte Gesten auf die Vorführung.
29 – Die Verurteilung Jesu

Im linken Bildteil sitzt Pontius Pilatus in einem prachtvoll gemusterten, goldfarbenen Gewand auf einem Thron, während ihm ein Diener Wasser aus einer Kanne über die Hände in eine Schale gießt – eine biblische Geste, mit der er symbolisch seine Unschuld am Todesurteil bekundet. Rechts davon wird der bereits mit der Dornenkrone gezeichnete Jesus von einer dicht gedrängten Gruppe bewaffneter Soldaten mit Speeren und Hellebarden weggeführt.
30 – Die Kreuztragung

Im Zentrum der Darstellung ist Jesus zu sehen, der unter der Last des großen Holzkreuzes zusammenbricht, während er von einer Gruppe bewaffneter Soldaten mit Speeren und Hellebarden aus einem Stadttor getrieben wird. Ein Mann in auffällig gemustertem Gewand scheint ihm das Kreuz aufzubürden oder ihn voranzutreiben, während im linken Hintergrund die klagenden Frauen folgen. In der Ferne, am rechten oberen Bildrand, ist bereits der Hügel Golgotha mit den drei Kreuzen als Ziel des Leidensweges angedeutet.
31 – Die Kreuzigung Christi

Im Zentrum der Darstellung hängt der bereits mit der Dornenkrone gezeichnete Jesus am Kreuz, über dem die INRI-Tafel angebracht ist. Zu seiner Linken steht die trauernde Maria in einem blauen Gewand und weißem Mantel, während zur Rechten der Apostel Johannes in einer roten Chlamys zu ihm aufblickt. Am Fuße des Kreuzes sind ein Totenschädel und ein Knochen zu sehen, die auf den Hinrichtungsort Golgotha („Schädelstätte“) verweisen.
32 – Die Kreuzabnahme

Im Zentrum wird der leblose Körper Jesu behutsam vom Kreuz herabgelassen, wobei zwei Männer – vermutlich Joseph von Arimathea und Nikodemus – ihn stützen. Der Helfer auf der rechten Seite, bekleidet mit einem prachtvollen blauen Gewand und einem hellen Turban, hält ein weißes Leichentuch, um den Leichnam aufzunehmen, während am oberen Ende des Kreuzes die INRI-Tafel zu sehen ist. Am linken Bildrand steht die trauernde Maria mit gefalteten Händen, gehüllt in ein blaues Gewand und einen weißen Schleier.
33 – Die Grablegung Christi

Im Zentrum der Darstellung wird der Leichnam Jesu von seinen Getreuen behutsam in einen steinernen Sarkophag gebettet. Ein Helfer auf der linken Seite stützt den Oberkörper des Verstorbenen, während auf der rechten Seite ein bärtiger Mann mit heller, turbanartiger Kopfbedeckung das weiße Leichentuch an den Füßen hält. In der Mitte der Gruppe ist die trauernde Maria mit weißem Schleier und gefalteten Händen zu sehen, umgeben von weiteren Begleitern vor einer felsigen Hintergrundkulisse.
34 – Christus in der Vorhölle

Im linken Bildteil steht Jesus, bekleidet mit einem roten Mantel, und hält den Kreuzstab mit der weiß-roten Siegfahne in der Hand. Er reicht seine Hand einer Gruppe von nackten Seelen entgegen, die in einem bogenförmigen Höhleneingang knien und auf ihre Erlösung warten. Besonders markant ist der bärtige Mann im Vordergrund, der Jesus ehrfürchtig entgegenblickt. Über dem Eingang ist eine kleine dämonische Gestalt zu erkennen, während im Hintergrund dunkler Rauch aufsteigt.
35 – Die Auferstehung Christi

Im Zentrum der Darstellung steht der auferstandene Jesus vor dem offenen, steinernen Sarkophag. Er ist mit einem weißen Lendentuch und einem leuchtend roten Mantel bekleidet und hält in der linken Hand den Kreuzstab mit der weiß-roten Siegfahne, während er die rechte Hand zum Segensgestus erhebt. Um das Grab herum sind die Wächter in zeitgenössischen Rüstungen und Gewändern dargestellt, die vom göttlichen Wunder völlig überwältigt scheinen oder in tiefem Schlaf verharren. Im Hintergrund ist eine hügelige Landschaft mit einem Zaun und einem Gebäude in der Ferne angedeutet.
36 – Frauen am leeren Grab

Im Zentrum der Darstellung sitzt ein Engel mit rötlichen Flügeln auf dem Rand des geöffneten, steinernen Sarkophags und weist auf das leere Grab hin. Ihm gegenüber stehen drei Frauen in ehrfürchtiger Haltung, die Salbgefäße für den Leichnam Jesu in den Händen tragen. Die Szene ist in eine Landschaft mit einer felsigen Höhlenöffnung, einem Holzzaun und Bergen im Hintergrund eingebettet.
37 – Die Himmelfahrt Christi

In einer für die damalige Zeit charakteristischen Darstellungsweise sind am oberen Bildrand nur noch die Füße und der untere Teil des Gewandes Jesu zu sehen, während er in einer hellen Wolke zum Himmel emporgehoben wird. Auf dem grünen Hügel in der Bildmitte bleiben seine Fußabdrücke als sichtbares Zeichen seines Wirkens auf Erden zurück. Um den Berg herum hat sich eine Gruppe von Menschen versammelt, darunter Maria und die Jünger, die mit zum Himmel gerichteten Blicken und bittenden oder staunenden Gesten dem Geschehen beiwohnen.
38 – Pfingsten

Dieses Bild zeigt das Pfingstfest. Inmitten der Apostel ist die Jungfrau Maria dargestellt, während der Heilige Geist in Gestalt einer Taube aus einer hellen Wolke am oberen Bildrand herabsteigt. Die Figuren sind in einem architektonischen Raum mit Rundbögen versammelt und blicken ehrfürchtig oder mit staunenden Gesten zum Himmel empor.
39 – Das Weltgericht

Dieses Bild zeigt das Weltgericht, die abschließende Darstellung aus dem Zyklus des Baldramsdorfer Fastentuches, welche als einziges Motiv ein Doppelfeld in der untersten Reihe einnimmt,.
Im Zentrum thront Christus als Weltenrichter auf einem Regenbogen, wobei eine Lilie als Symbol der Gnade und ein Schwert als Symbol der Gerechtigkeit von seinem Haupt ausgehen. Er wird von der bittenden Maria (links) und Johannes dem Täufer (rechts) sowie Engeln mit Posaunen flankiert. Im unteren Bildteil ist die Auferstehung der Toten zu sehen: Während die Seligen auf der linken Seite zum Himmel geführt werden, werden die Verdammten auf der rechten Seite von Teufelsgestalten in das Höllenfeuer getrieben.
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